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Hallo, ich bin Saskia!

Und ich weiß, wie es ist, wenn man sich wegen seines Körpers selbst fertigmacht. Genauso weiß ich, wie es ist, wenn einem Leute ungefragt Ratschläge geben, wie man denn jetzt abzunehmen habe – und die Ratschläge sind oft noch die freundlichsten Reaktionen von Menschen, die ein Problem mit anderer Leute Übergewicht haben.

Ich kenne die Zweifel an mir selbst und meiner Fähigkeit zur Disziplin, ich kenne den Kampf mit dem Gewicht, das Verstecken meines Körpers unter unförmigen Walle-Gewändern. Den Hass auf meinen Körper und seine vielen Makel. Die unruhigen Nächte, in denen ich mich fragte, ob ich jemals ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft sein werde, wenn ich weiterhin dick bleibe. Ob ich attraktiv und begehrenswert bin oder woran es sonst liegt, dass ich ein unglücker Single bin. Ob mich jemals jemand lieben würde, obwohl ich so dick war.

All dies ist für mich vorbei.

Es existiert in meiner Welt nicht mehr.

Ich sehe heute meinen Körper an und sage: Hallo, da bist du ja, meine Freundin. Denn das ist mein Körper: meine dickste Freundin. Sie begleitet mich immerhin schon seit fast 40 Jahren durch die Welt. Sie hat sich nicht aus dem Staub gemacht, als ich sie als fett und hässlich beschimpfte. Sie hat mich weiterhin geduldig durch die Welt getragen. Solch eine nachsichtige Freundin findet man nicht oft.

Als ich meinen Körper das erste Mal ansah und nicht sofort 1000 Bewertungen parat hatte, begegnete ich ihr zum ersten Mal. Denn solange ich meinen Körper so sehr ablehnte und hasste, war ich nicht in der Lage, sie ganz klar zu sehen. Doch dann war da dieser Moment, in dem ich von Weitem am Spiegel vorbeilief – nackt! – und mich ansah. Da war ein Bauch, groß und weich. Schenkel. Brüste. Alles sehr unterschiedlich geformt. Ich sagte zum ersten Mal: „Hallo!“ und seit diesem Moment hasse ich mich und meinen Körper nicht mehr. Ich bin verbunden mit dieser erstaunlichen Schöpfung der Natur, die sich Körper nennt. Ja, meine dickste Freundin sieht nicht so aus, wie sie aussehen sollte nach den Maßstäben der Schönheitsindustrie. Aber für mich, die ich meinen Körper liebe, ist sie einfach wunderbar, so wie sie ist.

Die negativen Gedankenspiralen über mich und mein Aussehen sind weg. Ich ziehe an, was ich will – vor allem enge Kleider. Ich liebe enge Kleider.

Die Gefühle der Ablehnung mir selbst gegenüber sind verschwunden. Früher war da immer dieser Maßstab von dem Aussehen, was ich immer noch nicht erreicht hatte.

Diese fürchterliche Scham, so disziplinlos zu sein, nicht ständig Diät halten zu können, war wie ausradiert. Statt Jo-jo bleibe ich jetzt einfach so dick, wie ich bin. Und wenn es sich auf natürliche Weise ändert, ist es in Ordnung so. Ich spare mir Stress, Mangelernährung und künstliche Mittelchen, mit denen ich meinen Körper quäle.

Das Erstaunliche war: Sobald ich anfing, meinen Körper nicht mehr abzulehnen, war auch mangelnde Selbstliebe kein Thema mehr. Meine Theorie dazu ist: Selbstliebe muss man nicht aufbauen. Wenn man aufhört, sich selbst fertigzumachen, ist sie automatisch da. So als wäre sie nie weggewesen und sei nur überlagert worden von all den Ideen, wie ich auszusehen hätte – ganz gleich, ob ich selbst diese Ideen hatte oder sie mir von anderen übergestülpt worden waren. Unsere Gesellschaft ist nicht sehr dickenfreundlich. Es ist also Zeit, freundlich zu dir selbst zu sein!

Meine dickste Freundin und ich – ja, wir lassen uns auch von anderen begehren und lieben. Doch es war nicht so, dass da plötzlich ein Traumprinz da war, der mich liebte, wie ich war – und dann war ich frei von all den Zweifeln und meinem Selbsthass. Ganz im Gegenteil. Erst kam die Freude an mir selbst und meinem Körper – und dann besserer, schönerer Sex und ein ganz anderer Typ Mann als früher.

Und da ich mich selbst so sehr liebe, warte ich auch nicht mehr darauf, von jemandem erwählt zu werden. Ich wähle.

Deshalb trägt die Hippo-Dame in meinem Logo eine Krone. Sie ist eine Königin! Und das bist du auch!

Es war ein langer Weg, bis mein Körper meine dickste Freundin wurde. Ich wünsche mir, dass er für dich viel kürzer ist. Am liebsten von heute auf morgen!

Saskia Schulte

Autorin, Hippo Queen, lustiger Mensch, BIG BODY LOVE

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